Globale Ungleichheiten

Der Klimawandel bedroht die Natur, erwärmt die Ozeane, sorgt für ein massives Artensterben und wird – hier herrscht in der  Wissenschaft größten teils Einigkeit – die Erde in weiten Teilen auf Dauer unbewohnbar machen. Erste Folgen sind bereits zu spüren: extrem trockene und heiße Sommer, Stürme   

und Unwetter, Dokumentationen zeigen Bilder von schmelzenden Polarkappen und abgemagerten Eisbären. Wir möchten den Blick auf die Folgen des Klimawandels um eine weitere Perspektive erweitern: Wer leidet zuerst an ihnen? Wen trifft der Klimawandel am härtesten? 

Die Erderwärmung ist überall auf dem Planeten zu spüren. Doch während sie sich beispielsweise in Deutschland in Temperaturen von bis zu 40°C niederschlägt, treten im sogenannten globalen Süden, wie zum Beispiel in Ländern wie dem Iran, dem Irak, oder Algerien, mittlerweile Temperaturen von über 50°C auf – Temperaturen von lebensgefährlichem Ausmaß [1]. Der Begriff des globalen Südens ist nicht (nur) geografisch zu 

verstehen, der Begriff ersetzt die wertende Aufteilung von Ländern in »Industrienationen« und »Entwicklungsländer«. Es geht also um den wirtschaftlichen Status der Länder. Der Anteil dieser Länder am Weltwirtschaftsmarkt ist bedeutend geringer als der des globalen  Nordens, ihr Anteil am weltweiten Wohlstand quasi nicht vorhanden. Es ließe sich überspitzt sagen: in den wohlhabenden Ländern des Planeten wird klimaschädlich  Reichtum auf den Rücken der Armen dieser Erde produziert und diese kriegen nicht einen einzigen 

Krümel des Kuchens ab. Die wirtschaftlich  starken Länder stoßen einen Großteil der globalen Treibhausgase aus, durch umweltschädliche Energieproduktion, die weite Verbreitung von Autos und die an sich schon klimaschädliche Produktion von ebenfalls klimaschädlichen Waren (auch hier ist die Automobilindustrie ein gutes Beispiel). Und die 

wirtschaftlich schwachen Länder baden es aus. Der oben bereits angesprochene Anstieg der Temperaturen, die Zerstörung von landwirtschaftlich nutzbarer Fläche und viele weitere Folgen machen ein Leben in diesen Gebieten unmöglich. 

Die UNO-Flüchtlingshilfe prognostiziert künftig jährlich sechs Millionen Menschen, die aufgrund des Klimawandels fliehen müssen [2]. Abgesehen von Naturkatastrophen, Wüstenbildung und Überschwemmung – Teile der bewohnten Fläche des Planeten verschwinden mittlerweile einfach im Meer, wie der Inselstaat Kiribati [3] – birgt der Klimawandel das Potential weiterer Fluchtursachen: es ist davon auszugehen, dass angesichts immer knapper werdender Ressourcen vermehrt Kriege um diese ausbrechen werden und weitere  Menschen vertreiben. Wir möchten diese Ausführungen zu den sozialen Konsequenzen des Klimawandels mit einem düsteren Gedankenspiel beenden: die aktuelle Flüchtlingspolitik der EU lässt sich mit keinem anderen Wort als »menschenfeindlich« beschreiben. Wöchentlich müssen wir von weiteren Menschen lesen, die auf ihrer Flucht vor Krieg, Menschenhandel, den Folgen der Klimakatastrophe, schlicht: ihrem sicheren Tod, im Mittelmeer ertrinken. Jene, die die gefährliche Reise überleben, scheitern an den Toren 

der Festung Europa. Wie wird die Europäische Union wohl mit den, um ein vielfach größeres, Mengen an Menschen auf der Flucht umgehen – den Menschen, die ihr Leben dahin retten wollen, wo die Ursachen der Bedrohung ihres Lebens liegen. Wird die Festung Europa ihre Mauern noch höher ziehen, noch weiter verstärken und im Zweifel auf die, die da kommen, schießen?

Die Frage nach Folgen des und Protest gegen Klimawandel kann und muss immer nur auch eine Frage nach sozialer Gerechtigkeit sein. Der Protest gegen den Klimawandel sollte nicht bloß da ansetzen, wo er uns ganz persönlich, als Einzelne, betrifft. Er muss auch ein Protest für die Menschlichkeit sein und Partei für die ergreifen, die zuerst und am stärksten unter der schonungslosen Ausbeutung von Mensch und Natur leiden.

Quellen
Tomasz Konicz: Klima für Extremismus
UNO-Flüchtlingshilfe: Klimawandel als Fluchtgrund
Pulitzer Center: Kiribati: Casualties of Climate Change

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