Klimakonferenzen

…was bisher geschah oder auch nicht. „Eine Sache für Profis“ – Mit diesen Worten wollte FDP-Chef Christian Lindner unseren Freund*innen von »Fridays for Future« (FFF) den Wind aus den Segeln nehmen, nachdem sie innerhalb kürzester Zeit eine weltweite Bewegung mit unzähligen Ablegern in Dörfern wie Städten gebildet hatten und das Versagen sämtlicher Staaten und Staatenbünde (EU, UN, etc.) im Kampf gegen Naturzerstörung und Klimawandel offen benannt hatten.

Er selbst und mit ihm der Großteil der weltweiten Politiker*innen sollten sich diese Worte jedoch selbst durch den Kopf gehen lassen, denn die Profis warnen schon seit über 50 Jahren vor den Gefahren des Klimawandels. Und sie sind auf der Seite von FFF, wie die Initiative «Scientists for Future» zeigt. Wir wollen euch hier nun die wichtigsten Klima-Konferenzen, sowie ihre Debatten und Beschlüsse kurz aufzeigen:

Club of Rome, 1972 

Die Grenzen des Wachstums 1972 Ein unbegrenztes Wirtschaftswachstum kann es auf einem begrenzten Planten nicht geben. So lässt sich der Bericht des Club of Rome am prägnantesten zusammenfassen. Der Club of Rome war eine Gruppe engagierter Wissenschaftler*innen, die nicht nur erkannten, dass die von Jahr zu Jahr ansteigende Produktion von Waren immer mehr Ressourcen verbraucht.

Sie betonten auch, dass der immer schnellere und größere Verbrauch von nur begrenzt vorliegenden Ressourcen dazu führt, dass künftige Generationen ihre gewohnten Lebensbedingungen nicht halten könnten. Sollte „die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert“ anhalten, würde die Erde in den nächsten 100 Jahren an die Grenzen ihres Wachstums stoßen.

Heute wissen wir: Uns bleibt viel weniger Zeit, um zu handeln! Denn sie erkannten zwar, dass die Verbrennung fossiler Energieträger gebremst werden müsste, die Bedeutung von CO₂ für die Belastung der Atmosphäre war aber noch nicht ausführlich erforscht. Sie forderten ein Gegensteuern mit einer Kombination aus technischen Lösungen und einem grundlegenden Wertewandel in der ganzen Weltgesellschaft. Sie schrieben in ihrem Bericht:

„Wir suchen nach einem Modell, das ein Weltsystem abbildet, das 1. nachhaltig ist ohne plötzlichen und unkontrollierbaren Kollaps; und 2. fähig ist, die materiellen Grundansprüche aller seiner Menschen zu befriedigen“.

Doch es gab auch im selben Jahr noch auf der UN-Konferenz „Only one earth“ , in Stockholm, Kritik von der indischen Premierministerin, Indira Ghandi:

„Auf der einen Seite blicken die Reichen verächtlich auf unsere anhaltende Armut, andererseits warnen sie uns vor ihren eigenen Methoden. Wir wünschen nicht, dass die Umwelt weiter verarmt, und doch können wir die grimmige Armut einer großen Zahl von Menschen nicht einen Moment lang vergessen. Sind nicht Armut und Bedürftigkeit die größten Umweltverschmutzer?“.

Während reiche Staaten sich den „Luxus“ des Klimaschutzes leisten konnten, lebte weltweit noch immer ein Großteil der Menschen, auch als Spätfolge des Kolonialismus, in bitterster Armut. Sie konnten und wollten sich nicht wieder ihre Lebens- und Wachstumsbedingungen von den Reicheren und Mächtigeren diktieren lassen. Dafür waren die Lebensstandards zu unterschiedlich. Indira Ghandi fasste zusammen:

„Der eigentliche Konflikt besteht nicht zwischen Umweltschutz und Entwicklung, sondern zwischen Umwelt und ruchloser Ausbeutung von Mensch und Erde im Namen der Effizienz“.

Der Kampf gegen den Klimawandel ist vom Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung nicht zu trennen.

Brundtland-Bericht, 1987

Doch ein erfolgsversprechender gemeinsamer Plan zum Klimaschutz resultierte weder aus dem Bericht des Club of Rome, noch aus der Konferenz in Stockholm. Expert*innen diskutierten viel, erstellten neue Studien und Planspiele zum Klimawandel. Doch der Widerspruch zwischen den reichen Ländern des globalen Nordens, denen es wie so oft nur um ein weiteres rasantes Wachstum der Wirtschaft ging, und den ärmeren Ländern des globalen Südens denen es vor allem um eine Steigerung der eigenen Lebensumstände ging, ließ sich nicht lösen.

Um beide Positionen zu vermitteln, wurde die norwegische Politikerin Gro Harlem Brundtland beauftragt, eine Kommission und einen Bericht zu erstellen, der beide Seiten zusammenbringt und einen Kompromiss zwischen den teils widersprüchlichen Interessen schaffen sollte.

Um also sowohl Natur- und Umweltschutz, als auch die soziale Frage innerhalb und zwischen den Staaten zusammenbringen, baut der Bericht die Formulierung „nachhaltiger Entwicklung“ ein. Entstehen sollte ein neuer zivilisatorischer Entwurf, eine neue Balance zwischen Mensch und Natur. Der Bericht hielt fest:

„Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, welche die Bedürfnisse der gegenwärtigen Generationen befriedigt, ohne die Fähigkeit zukünftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen“.

Doch auch hier konnte sich nicht auf konkrete Handlungen zum Klimaschutz geeinigt werden, da vor allem der globale Norden an seinem naiven Wachstumsglauben festhalten wollte. Es wurden nur wenige konkrete Maßnahmen beschlossen, dafür aber immer mehr und immer weiter produziert – während die Kohlekraftwerke und Fabriken weiter Tonne um Tonne CO₂ in die Luft stießen.

Nur fand dies für viele Klimaaktivist*innen des globalen Nordens nicht mehr vor den eigenen Augen statt, da immer mehr Kapitalist*innen die Chance ergriffen, ihre Produktion in Länder auszulagern, die aus eigener Not dafür auf Regulierungen im Arbeits- und Klimaschutz verzichteten, was katastrophale soziale und ökologische Folgen hatte.

Erdgipfel von Rio de Janeiro, 1992

Wenn du mal nicht weiter weißt, gründe einen Arbeitskreis. Oder veranstalte eine Konferenz. Die Konfliktlinien zwischen dem globalen Norden und Süden hatten sich zwar nicht verändert, das Zeitfenster für wirksamen Klimaschutz wurde jedoch immer kleiner. Dennoch fielen auch der Konferenz von Rio wesentliche Teile einem schlechten Kompromiss zum Opfer: Konventionen über Klimaschutz und Biodiversität wurden verwässert – die so dringenden Lösungen für den Klimawandel kamen nicht zu Stande.

Was blieb war eine Denkfigur, die seit dem Klimagipfel immer wieder auftaucht: Das Dreieck der Nachhaltigkeit. Es verdeutlicht, dass im Kampf gegen den Klimawandel die Felder der Ökologie, der Ökonomie und der sozialen Gerechtigkeit stets in einem Zusammenhang stehen und nicht getrennt voneinander zu betrachten sind.

UN-Klimakonferenzen (COP)

Wir wollen euch nicht langweilen. Natürlich gab es noch viel mehr lokale und internationale Konferenzen zum Klimawandel. So finden bspw. seit 1995, jährlich an wechselnden Orten, die COPs, – die UN-Klimakonferenzen, statt. Seit 1995 fanden also bereits ganze 25 Konferenzen statt. Es wurde viel diskutiert, weniger beschlossen und doch brauchte es «Fridays for Future» oder Organisationen wie «Ende Gelände» als soziale Bewegungen, um der breiten Öffentlichkeit die Dramatik des Klimawandels vor Augen zu führen und, dass besser heute als morgen gehandelt werden muss.

Die Reaktionen führender Politiker*innen und Kapitalist*innen zeigen, dass mit ihnen wieder nur faule Kompromisse zu machen sind, mit denen wir uns nicht abfinden können und wollen. Naturzerstörung, Ausbeutung und der Kapitalismus, das erkannten zumindest zu Teilen viele Expert*innen schon auf der Klimakonferenz in Stockholm 1972 und viele danach, hängen untrennbar zusammen und lassen sich nur gemeinsam überwinden.

Ob Christian Lindner diesen Expert*innen vertrauen würde?

Literaturtipp

Grober, Ulrich (2010): Die Entdeckung der Nachhaltigkeit. Kulturgeschichte eines Begriffs. Verlag Antje Kunstmann: München. ISBN 978-3-88897-
648-3.