Existenzsicherung aller Menschen

Alle sind von dem Corona-Virus betroffen, dennoch trifft das Virus längst nicht alle gleich. Die soziale oder geografische Herkunft spielen auch hier genauso eine Rolle, wie das Geschlecht oder das eigene Bankkonto.

Flatten the Curve und Social-Distancing

#flattenthecurve ist das Gebot der Stunde, denn: Eine schnelle Verbreitung des Covid-19-Virus bedeutet eine weitere Überlastung des deutschen Gesundheitssystems und somit eine Bedrohung für viele Menschenleben. Das Resultat dessen, social-distancing, Kontaktverbote und in den Sozialen Netzwerken viral gehende Hashtags wie #staythefuckhome sind genauso richtig, wie zu kurz gedacht. 

Währenddessen in Deutschland

Menschen, die über keine eigene Wohnung verfügen, also wohnungs- oder gar obdachlos sind, können nicht Zuhause bleiben. Sie sind entweder darauf angewiesen bei Freund*innen oder Bekannten zu schlafen, ihr Dasein in Sammelunterkünften mit dutzenden anderen zu fristen oder gar ihr Quartier auf der Straße aufschlagen zu müssen. Allein in Hannover leben 4-500 Menschen dort, weitere 3- bis 4000 Menschen haben keine Wohnung, bei gleichzeitigem Leerstand von hunderten Wohnungen – schlicht eine zynische Tatsache. 

Die Versorgungsangebote für diese Menschen sind in der aktuellen Krise reihenweise eingebrochen. Lebensmittelausgaben schließen, Kontaktläden in denen sie Kleidung erhalten oder elementare hygienische Bedürfnisse stillen können, müssen ebenfalls dicht machen und auch die Sammelunterkünfte, die zumindest Schutz vor Wind und Wetter liefern, sind nicht geöffnet.

Auch für die zahllosen Geflüchteten in Sammelunterkünften ist social-distancing schlicht unmöglich. Dies trifft die Menschen dort gleich doppelt: Wird doch, im Fall eines positiven Testergebnisses, meist die gesamte Unterkunft unter Quarantäne gestellt. Andererseits ist, aufgrund der nicht gewährleisteten Hygienemaßnahmen das Betreten von Unterkünften für Nicht-Angehörige untersagt. Geflüchtete, denen jahrelang die Arbeitsberechtigung vorenthalten wird, wird jetzt in Aussicht gestellt, die deutsche Spargelernte einbringen zu ›dürfen‹…

Währenddessen an Europas Außengrenzen…

Die menschenverachtende Lage an den europäischen Außengrenzen, darf nicht unbeachtet bleiben: So ist beispielsweise das Elendsquartier auf der griechischen Insel Lesvos maßlos überfüllt. Eigentlich ausgelegt für 4000 Menschen hausen hier ungefähr zehnmal so viele unter erbärmlichsten Bedingungen. Ein 3qm großes Zelt muss für fünf Personen reichen. Eine Toilette teilen sich knapp 170 Menschen und eine Wasserstelle 1400 Personen. #flattenthecurve ist unter solchen Bedingungen eine zynische Forderung. Ein Ausbrechen der Covid-19-Epidemie vor Ort dürfte zu einer Verschärfung der humanitären Katastrophe führen, ist das Immunsystem der meisten Geflüchteten doch aufgrund von Mangelernährung, Rationierung von Wasser und den körperlichen Strapazen der Flucht bereits angegriffen. 

Währenddessen hat Deutschland faktisch das Recht auf Asyl abgeschafft. So können nur diejenigen Geflüchteten einen solchen Antrag stellen, die entweder einen negativen Corona-Test vorweisen können oder bereits 14 Tage in Quarantäne verbracht haben. Anforderungen die sich aufgrund nicht vorhandener medizinischer Versorgung mit entsprechenden Testmöglichkeiten oder der Möglichkeit sich in Quarantäne zu begeben nahezu unmöglich sind. 

Die Krise trifft nicht alle gleich!

Nur am Rande angeschnitten sei hier die Situation für all jene, für die der Aufenthalt ›Zuhause‹ mitunter unerträglich ist: Menschen, die unter Depressionen leiden oder bspw. die Gewalt erleben (in überwältigender Mehrheit Frauen*). Auch diese müssen in der aktuellen Krise mitbedacht werden, auch Ihnen hat unsere Solidarität zu gelten. 

Es zeigt sich: Die Krise trifft diejenigen am härtesten, die auch in Zeiten ohne akute Krise marginalisiert werden und materiell am schlechtesten aufgestellt sind. Die Weigerung der Gesellschaft diesen Menschen elementarste Bedürfnisse, wie Schutz, Zugang zu medizinischer und hygienischer Grundversorgung oder ein Minimum an Privatsphäre zu gewährleisten, ist schlicht menschenverachtend. Der Tod von Menschenleben wird dabei billigend in Kauf genommen. 

Daher gilt: Schutz darf keine Frage des Geldes sein, eine Gesellschaft muss insbesondere diejenigen schützen, die über wenig oder kein Geld verfügen und aus unterschiedlichsten Gründen marginalisiert sind.

Schutz darf keine Frage des Geldes sein! Gegen Armut in einer Welt voller Reichtum!

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