Corona ist nicht vom Himmel gefallen

Die Verbreitung des Virus ist weder ein blöder Zufall, noch auf angebliche regionale Essgewohnheiten zurückzuführen. Verantwortlich ist die Naturzerstörung, die mit unserer Art zu wirtschaften einhergeht.

Zum Ursprung des Virus

Fledermäuse gelten aufgrund ihrer Flugfähigkeit, dem Leben in riesigen Schwärmen und der guten Regulierung ihrer Körpertemperatur, als idealer Überträger von Viren. So fanden sich auch der frühere SARS-Virus oder der Ebola-Erreger zuerst in den Flügeltieren. Es wird angenommen, dass eine mit dem neuartigen Coronavirus infizierte Fledermaus den Erreger an ein Schuppentier übertragen hat. Diese gelten als Potenzmittel und wurden auf einem chinesischen Wildtiermarkt angeboten und sollen so die aktuelle Pandemie ausgelöst haben. Ist die Krise also nur durch einen blöden Zufall oder gar durch individuelles Essverhalten entstanden?

Keine zufällige Entwicklung

Blickt man auf vergangene Seuchen und ihre Entstehungen (Schweinepest, Vogelgrippe, SARS-CoV1) fällt eins auf: Sie sind immer vom Tier auf den Menschen übergesprungen. Kein neues Phänomen, jedoch eins, das in den vergangenen Jahrzehnten immer häufiger aufgetreten ist. Im Wesentlichen lassen sich hierfür zwei Gründe anführen:

Die Naturzerstörung nimmt immer weiter zu. Beispiele lassen sich dafür massenhaft finden, sei es die Abholzung des brasilianischen Regenwaldes, der Abbau von Lithium oder seltenen Erden die für die Herstellung der vermeintlich umweltfreundlichen E-Autos oder die Produktion von Palmöl. Dadurch sind Mensch und Tier gezwungen, auf immer enger werdendem Lebensraum auszuweichen. Wildtiere kommen so mit ihnen vorher unbekannten Arten und somit auch anderen Viren in Kontakt. Krankheitserreger, die zuvor auf kleinere (Wald-)Ökosysteme begrenzt waren, können sich rasant ausbreiten.Verstärkt wird diese Entwicklung durch die industrielle Tierhaltung, die zu einem Rückgang der genetischen Vielfalt und der damit verbundenen Resistenzfähigkeit der Tiere gegen Erreger geführt hat.

Die Ausbreitung neuartiger Krankheitserreger wird darüber hinaus durch die Globalisierung weiter befördert. So bewegen sich Menschen und Waren sehr viel öfter und schneller über den gesamten Erdball, Krankheitserreger können sich dadurch deutlich besser verbreiten und mehr Personen befallen. Die Ursachen der Covid-19-Pandemie sind also nur vordergründig die Übertragung des Erregers von (Wild-)Tieren auf Menschen, sondern vielmehr die zunehmende Naturzerstörung, die massive wirtschaftliche Expansion und die Art und Weise wie wir (Lebensmittel) produzieren. So ist die Agrarindustrie, insbesondere die der Fleischproduktion, für bis zu 31% der CO2-Emissionen verantwortlich. Verstärkt somit also Naturzerstörung und den menschengemachten Klimawandel.

Naturzerstörung als Katalysator

Diese Entwicklungen betreffen nicht nur neuartige Viren wie Covid-19, sondern auch bereits bekannte, aber bisher räumlich begrenzte Krankheiten wie Malaria oder Gelbfieber. Sie werden durch eine, ursprünglich in subtropischen Gebieten beheimatete, Mückenart übertragen. Mittlerweile finden sich diese Tiere auch zunehmend in Europa. Eine Entwicklung, die sich durch den Klimawandel noch weiter verstärken wird. Ein weiterer Temperaturanstieg wird nicht nur dazu führen, dass die Mücken in ihren ursprünglichen Regionen länger überleben, sondern sich in Europa überhaupt langfristig ansiedeln können. 

Es sind also nicht die individuellen Essgewohnheiten Einzelner, die die aktuelle Pandemie zu verantworten haben, sondern die Art und Weise, wie unsere Gesellschaft funktioniert, wie wir Lebensmittel und Waren produzieren und diese um die halbe Erde schicken. Die immer weiter zunehmenden Naturzerstörung, bei gleichzeitiger Ausdehnung der Produktion, entzieht nicht nur den Tieren ihren Lebensraum, sondern auch uns Menschen. Die Millionen Menschen die in Slums am Rande von Megacitys hausen müssen, sind ein mahnendes Beispiel hierfür.

Mit nationalistischer Abschottungspolitik oder einer Rückkehr zum Binnenmarkt ist dieses Problem jedoch nicht zu lösen. Es braucht vielmehr eine Änderung unserer Wirtschaftsweise, um die fortlaufende Naturzerstörung aufzuhalten und so die Vernichtung von Lebensräumen für Menschen und Tiere zu stoppen.

Für eine Aufarbeitung der gesellschaftlichen Ursachen der Pandemie. Gegen Ausbeutung von Mensch und Natur!

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