Alles anders machen!

Während der Virus-Pandemie wird erdrückend deutlich: der Markt regelt das nicht! Wenn alle auch in Krisenzeiten ein Auskommen haben und sich nicht um die eigene Existenz sorgen sollen, dann heißt das für uns: »Alles anders machen!«

Die Virus-Pandemie. Klimakrise im Zeitraffer?

In kurzer Zeit ist Covid-19 zu einer globalen Pandemie geworden. Inzwischen breitet sich das Virus bis in die letzten Winkel der Erde aus. Sollte nicht zeitnah ein Medikament oder ein Impfstoff gefunden werden, hat es das Potential Menschenleben im dreistelligen Millionenbereich auszulöschen. Eine der augenscheinlichsten Parallelen zur Klimakrise ist: Das Virus betrifft Alle! Es macht nicht Halt vor Landesgrenzen oder Kontinenten; unterscheidet nicht nach Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Alter oder Bankkonto. Trotzdem sind unterschiedliche Gruppen und Regionen auf verschiedene Weise und in unterschiedlichem Ausmaß davon bedroht. Dazu kommt: Ebenso wie die drohende Klimakrise, ist das Virus keine zufällige Naturkatastrophe. 

Generell weisen sowohl der Entstehungskontext, die Verbreitung und die zunächst kollektive Verdrängung dessen anschauliche Parallelen auf. Wie auch beim Klimawandel scheinen Menschen nicht in der Lage, vorausschauend zu handeln und rechtzeitig vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, wenn es um die Bekämpfung von Krisen geht. Die möglichen Auswirkungen beider Phänomene sind auch tatsächlich kaum absehbar und solange das Virus außerhalb der sprichwörtlichen ›eigenen vier Wände‹ wütete, sah sich niemand gezwungen, sich ernsthaft damit zu befassen. Ein Phänomen, das wir entlang des Klimawandels seit Jahrzehnten beobachten können.

Das Virus führt uns aktuell im Zeitraffer vor Augen, wie verheerend die Klimakrise sich in Zukunft auswirken kann und zugleich, was zu deren Eindämmung möglich ist, wenn denn bloß der Wille da wäre. Eine Tatsache steht dabei deutlich über allen anderen: beides, die Klimakrise und die Covid-19 Pandemie, sind auch eine Krise des Kapitalismus.

Der Markt regelt das

Noch stehen wir ganz am Anfang der Pandemie und doch ist bereits klar: Eine Gesellschaft, die orientiert am tatsächlichen Bedarf der Menschen produzieren und nachhaltig wirtschaften würde, wäre gegen ein solches Virus deutlich besser gewappnet. Nur wenige Wochen der weitgehenden Einschränkung des öffentlichen Lebens und die zeitweise regionale Einstellung der industriellen Produktion braucht es, um eine Vielzahl an Menschen in finanzielle Nöte und berechtigte Existenzängste zu stürzen. Selbst wenn es ihnen zuvor verhältnismäßig gut ging. Ganz zu schweigen von all jenen, die schon vor den aktuellen Entwicklungen wenig oder gar nichts hatten, in Armut oder prekären Verhältnissen lebten.

Schon vor der Krise waren die Gesundheitssysteme stets am Limit: Sparzwang, Personalmangel, miese Arbeitsbedingungen, Rückbau der Infrastruktur… Alles unter dem Zwang der Verwertbarkeit. Profite sollten auch noch auf dem Rücken der Gesundheit der Menschen erwirtschaftet werden. Dass es nun jene Länder besonders hart trifft, die nach der Finanzkrise 2008 gezwungen waren ihre öffentliche Infrastruktur zu privatisieren und zurück zu bauen, ist wohl kaum ein Zufall. Dennoch deutet vieles darauf hin, dass es den Krisengewinner Deutschland am Ende ebenso hart treffen könnte, wie jetzt Italien, Spanien oder auch die USA.

Kaum zeichnet sich vage ab, welche wirtschaftlichen Folgen dieses Virus nach sich ziehen könnte, werden aller Orten Stimmen laut, man dürfe dem Virus nicht dem Kapitalismus, nicht die Wirtschaft opfern. Nationale Abschottung, statt internationaler Solidarität, steht ebenso hoch im Kurs. Die Ausgeschlossenen sollen draußen bleiben. Um jeden Preis und überhaupt, ›Was zählen schon ein paar Millionen Alte und Kranke?!‹ 

Aber es gibt auch die andere Seite: In vielen Städten entstehen solidarische Netzwerke gegen die Not. In Nachbarschaften rückt man in Zeiten der sozialen Distanz gegen die Vereinzelung zusammen. Die Forderung #leavenoonebehind erschallt wahrnehmbar und deutlich durch die Sozialen Medien und fordert die Evakuierung von Flüchtenden, die Unterbringung in Hotels von Bedürftigen und den Schutz der Eingesperrten. Industrieunternehmen und Krankenhäuser werden vergesellschaftet oder re-kommunalisiert und das Ende der Fahnenstange scheint hier noch längst nicht erreicht. Dass ein Jens Spahn je wieder öffentlich äußern könnte, man solle doch bitteschön mehr Mut zur flächendeckenden Schließung von Krankenhäusern haben, steht kaum zu erwarten.

Wenn diese Pandemie vorüber ist, wird sich vieles ändern. Zu tiefgreifend ist der Kulturwandel, der sich schon jetzt vollzieht. Zu offensichtlich ist die Unfähigkeit des Kapitalismus, in Krisenzeiten die Existenz der Menschen zu sichern. 

Alles anders machen!

Was sich ändern soll, ist längst nicht entschieden. Sinnvoll erscheint es, in Zukunft global auf eine Produktionsweise zu setzen, die nicht nur ökologisch nachhaltiger ist sondern die endlich auskömmlich für die Vielen sein muss. Es ist kaum damit getan, dass Menschen in ›systemrelevanten‹ Berufen anständig verdienen sollten und man ihnen erträgliche Arbeitsbedingungen garantiert. 

Um die Krisen von morgen bewältigen zu können, müssen wir schon jetzt anfangen, für die solidarische Weltgemeinschaft zu streiten. Debatten darüber anstoßen, welche konkreten Veränderungen wie herbeigeführt werden müssen und können. Die Lehre aus der Pandemie darf nicht bloß gewesen sein, dass ein paar millionen Menschen gelernt haben, sich vernünftig die Hände zu waschen…

Die einzig noch vertretbare Mindestforderung in diesen Zeiten lautet: »Alles anders machen!«. Alles, was die Existenz der einzelnen sichert: Nahrung, Kleidung, Obdach, medizinische wie Energieversorgung, Mobilität, Pflege, etc. dürfen nicht von einem wie auch immer gearteten Einkommen abhängen. All das ganz und gar von der Logik des Marktes zu entkoppeln und dem maßlosen Kreislauf von Produktion und Gewinnstreben ein Ende zu bereiten, wäre das Mindeste.

Damit weder in der Krise noch sonst je wieder irgendjemand auf der Welt Angst oder Hunger haben muss: Alles anders machen!

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